Baidu und DuckDuckGo weiterhin auf Angriffskurs

Die Message ist klar

Trotz Googles deutlicher Vormachtstellung gibt sich die Konkurrenz nicht geschlagen. Über zwei der Konkurrenten habe ich bereits berichtet: Die Suchmaschine DuckDuckGo, die sich der Privatsphäre der Nutzer verschrieben hat und Googles chinesisches Pendant Baidu. Dabei verfolgen beide Google-Verfolger einen anderen Ansatz. Während DuckDuckGo sich gerade über die gesicherte Privatsphäre der Nutzer differenzieren will und sich in den letzten Monaten stetig weiterentwickelt hat, nutzt Baidu vorallem Googles Rückzug aus China aus und investiert kräftig weiter, um ein direkter Konkurrent zu sein. Das Baidu die chinesische Regierung im Hintergrund hat, ist dabei ein nicht geringer Vorteil.

Ein gutes Beispiel für Baidu’s Willen Google zu übertreffen, ist der Mega-Cluster, an dem Baidu arbeitet und der sogar das “Google Brain” um Längen übertreffen soll. Das Google Brain besteht aus 2000 CPU-Einheiten mit insgesamt 16.000 Kernen, die in der Lage sind eine Milliarde Synapsen zu simulieren. Kostenpunkt des Ganzen: 5 Millionen US-Dollar und ein Energiebedarf von 600 kW. Das Projekt lief drei Tage lang und untersuchte währenddessen zehn Millionen Fotos auf Gemeinsamkeiten. Nach den drei Tagen stellten die Forscher fest: Das System war nach der kurzen Zeit in der Lage viele Gesichter von Menschen und Tieren zu identifizieren und wiederzuerkennen. Dabei ist das Google Brain von der Synapsen-Anzahl gerade einmal so schlau wie das einer Biene. Das menschliche Gehirn besitzt deutlich mehr. Als Vergleich: Würde man einen vergleichbaren Lernprozess mit dem Google Brain starten, müsste es 500 Millionen Bilder untersuchen – in 40.000 Jahren. Baidu’s “Brain” soll dagegen die hundertfache Leistung erbringen können.

Das Baidu Eye

Auch Baidu bringt eine Datenbrille heraus: das Baidu-Eye Quelle: Baidu

Dafür hat sich das Unternehmen unter anderem die Dienste von Andrew Ng, eines der Erfinder des Google Brains gesichert, der jetzt Chef-Wissenschaftler bei Baidu ist. Er gilt als einer der einflussreichsten Wissenschaftler der Gegenwart und als absolute Koryphäe im Bereich des Maschinellen Lernens sowie im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Wer jetzt annimmt, dass es sich bei Baidus Projekt um einen reinen Wettbewerb mit Google handelt, der irrt sich. Laut Baidu’s Experten wird die Zukunft der Suche aus Sprache und Bildern anstelle von Texteingaben bestehen. Bilder und Sprache zu interpretieren erfordert allerdings deutlich mehr Rechenleistung, was den Bau des Mega-Clusters erklärt. Wenn es nach Baidu geht, werden innerhalb der nächsten fünf Jahre sprach- und bildbasierte Suchanfragen mehr als die Hälfte aller Suchanfragen ausmachen.

DuckDuckGo hat dagegen seine ganz eigenen Methoden, um Google den Kampf anzusagen. Dass die Suchmaschine einen so hohen Wert auf die Wahrung der Privatsphäre ihrer Nutzer legt, kommt scheinbar sehr gut an. Zu Beginn des Jahres hatte die Suchmaschine erstmals vier Millionen Suchanfragen an einem Tag verzeichnen können. Sicher kein Traffic, weswegen Google einen kalten Schweißausbruch kriegt, aber dennoch beachtlich. In den letzten Monaten wurde die Suchmaschine dabei stetig weiterentwickelt. Neue Funktionen wie Rezeptvorschläge oder regionalisierte Suchergebnisse sind hinzugekommen, aber auch der nächste große Wurf ist bereits in Planung. Apple wird DuckDuckGo als eine von mehreren Suchmaschinen in das neue iOS8 einbinden. Damit erschließt die Suchmaschine einen attraktiven markt: erstens das Premium-Segment der Smartphones und zweitens den wachsenden Markt des mobilen Webs.

DuckDuckGo

Diesen deutlichen Einfluss hatte die Snowden-Enthüllung auf DuckDuckGo Quelle:de.Statista.com

Und das muss noch lange nicht das Ende des Wachstums gewesen sein: ganz im Gegenteil. Eine aktuelle Umfrage von Search Engine Land hat ergeben, dass zwar nur ein sehr kleiner Bruchteil der Befragten DuckDuckGo nutzen würden, aber dafür viele bereit wären für ihre Privatsphäre Geld zu bezahlen. Zwei Prozent der Befragten würden bis zu 5 US-Dollar monatlich für eine anzeigenfreie Suchmaschine bezahlen und 17 Prozent würden den gleichen Betrag bezahlen, wenn ihren Suchanfragen dafür nicht mehr getrackt würden. Sprich genau die Zielgruppe, die für DuckDuckGo in Frage kommt. Die Wahrung der Privatsphäre ihrer Nutzer ist DuckDuckGo’s großes Alleinstellungsmerkmal, was sie deutlich von der Konkurrenz wie Bing oder Google unterscheidet. Vielleicht ist ja einer der beiden der Google-Killer? Warten wir es ab.

 

Titelbild-Quelle:DuckDuckGo

Hinterlasse eine Antwort